Navigation und Service

Ziehen und Schieben

Unter Ziehen oder Schieben von Lasten versteht man das Fortbewegen einer Last durch menschliche Kraft mit oder ohne Körperfortbewegung. Die Last wird auf rollendem oder gleitendem Untergrund bewegt. Die Bewegung erfolgt durch einen Druck des Körpers über die Arme und Hände gegen die Last (Schieben) oder durch einen Zug an der Last durch Hände und Arme (Ziehen) (s. AMR 13.2).

Wer ist betroffen?

Betroffen sind beispielsweise Beschäftigte im Handel, im Transportdienst, in Logistik- und Postverteilzentren, in Altenheimen, im Krankenhaus und bei der Müllabfuhr.

Wann spricht man von einer Gefährdung?

Die Höhe der körperlichen Belastung wird durch folgende Faktoren bestimmt:

  • das Gewicht der Last
  • die Art des Flurförderzeugs bzw. Hilfsmittels (z. B. Lenkbarkeit)
  • die Art der Bewegung (Rollen oder Gleiten, Ziehen oder Schieben)
  • die Rolleigenschaften des Flurförderzeugs bzw. Hilfsmittels
  • die Bewegungsgeschwindigkeit
  • die erforderliche Positioniergenauigkeit
  • die Körperhaltung
  • die Umgebungsbedingungen (z. B. Untergrund, Neigung)
  • die Häufigkeit des Ziehens bzw. Schiebens pro Schicht
  • den zurückgelegten Weg bei Ziehen bzw. Schieben

Da die Gefährdung durch eine Vielzahl von Faktoren bestimmt wird, kommt es auf die Ausprägung der einzelnen Faktoren an. Deshalb wird für die Beurteilung der Gefährdung die Leitmerkmalmethode „Ziehen und Schieben“ empfohlen, die diese Faktoren berücksichtigt. Es liegt dann eine Tätigkeit mit wesentlich erhöhter körperlicher Belastung vor, wenn nach der Leitmerkmalmethode „Ziehen und Schieben“ ein Punktwert des Risikobereichs 3 erreicht oder überschritten wird.

Welche Beschwerden können auftreten?

Bei hoher Belastung kann das Ziehen und Schieben von Lasten die direkt betroffene Muskulatur überbeanspruchen, aber auch die passiven Strukturen des Bewegungsapparats, wie Knochen, Gelenkknorpel und andere Gelenkstrukturen, Bandscheiben, Sehnen, Sehnenansätze und Bänder überlasten. Ziehen und Schieben kann außerdem das Herz-Kreislauf-System und die Atmung belasten und zu einer allgemeinen körperlichen Ermüdung führen. Auf Dauer kann Ziehen und Schieben von Lasten schmerzhafte funktionelle Einschränkungen des gesamten Bewegungsapparats verursachen. Besonders leiden die Lendenregion, der obere Rücken, die Arme und Schultern sowie die Hüft- und Kniegelenke.

Handlungsempfehlungen:

  • Stellen Sie sicher, dass die Gefährdungsbeurteilung von einer fachkundigen Person durchgeführt wird.
  • Erfassen Sie bei der Gefährdungsbeurteilung das Gewicht der Last, die Art des Flurförderzeugs bzw. Hilfsmittels und die Art der Bewegung (rollend oder gleitend), die Bewegungsgeschwindigkeit, die erforderliche Positioniergenauigkeit, die Körperhaltung, die Umgebungsbedingungen (z. B. Untergrund, Neigung), die Häufigkeit und den zurückgelegten Weg. Nutzen Sie für die Gefährdungsbeurteilung die Leitmerkmalmethode „Ziehen und Schieben“.
  • Prüfen Sie, ob die eingesetzten Flurförderzeuge oder Hilfsmittel optimiert werden können.
  • Stellen Sie geeignete Flurförderzeuge bzw. Hilfsmittel zur Verfügung und unterweisen Sie Ihre Beschäftigten regelmäßig, wie sie die Hilfsmittel richtig anwenden.
  • Teilen Sie die Lasten in möglichst gut handhabbare Größen und Gewichte ein.
  • Vermeiden Sie nach Möglichkeit das Ziehen von Lasten (höhere Belastung als beim Schieben).
  • Gestalten Sie die Tätigkeit so, dass beim Ziehen oder Schieben keine Körperdrehung erforderlich ist.
  • Achten Sie darauf, dass die Arbeitsplätze ausreichend beleuchtend sind. Dies hilft, Unfälle zu vermeiden.
  • Planen Sie einen regelmäßigen Wechsel der Tätigkeiten ein, um einseitige Belastungen zu vermeiden.
  • Ermöglichen Sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die viel ziehen oder schieben müssen, ausreichende Pausen.
  • Gehen Sie als Führungskraft mit gutem Beispiel voran!
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge: Liegt eine wesentlich erhöhte Gefährdung vor, müssen Sie Ihren Beschäftigten die arbeitsmedizinische Vorsorge schriftlich und persönlich anbieten. Eine wesentlich erhöhte Gefährdung liegt vor, wenn die Leitmerkmethode den Risikobereich 3 oder 4 ergibt.
  • Nutzen Sie die vorhandenen Hilfsmittel und Präventionsangebote Ihres Betriebs.
  • Handeln Sie so, wie Sie es in den Unterweisungen und Einweisungen gelernt haben.
  • Ziehen und Schieben Sie mit geradem Rücken ohne Verdrehung.
  • Holen Sie sich bei Bedarf Unterstützung.
  • Halten Sie die Pausen ein.
  • Versuchen Sie, die Tätigkeiten abwechslungsreich zu gestalten.
  • Nutzen Sie die vorhandenen Präventionsangebote Ihres Betriebs.
  • Nehmen Sie die arbeitsmedizinische Vorsorge wahr.
  • Trainieren Sie Ihre Rumpfmuskulatur.
28.04.2016

Diese Seite

BGW online (Link zur Startseite)

Start­sei­te