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GDA - Arbeitsprogramm MSE

Arbeiten mit erhöhter Kraftanstrengung oder Krafteinwirkung

Von einer Tätigkeit mit erhöhter Kraftanstrengung oder Krafteinwirkung spricht man, wenn für das Ausüben dieser Tätigkeit entweder erhöhte Kräfte aufgebracht oder erhöhte äußere Kräfte überwunden werden müssen. Dabei entstehen Belastungen für den Körper, insbesondere für den Oberkörper, die Schultern, Arme und Hände.

Wer ist betroffen?

Arbeiten mit erhöhter Kraftanstrengung oder Krafteinwirkung kommen insbesondere bei folgenden Tätigkeiten vor:

  • auf schwer zugänglichen Arbeitsstellen, zum Beispiel beim Besteigen von Freileitungsmasten, Windenergieanlagen und Kränen sowie bei Befahrungen von Behältern oder der Kanalisation
  • Einsatz der Hände und der Arme als Werkzeug, zum Beispiel zum Drücken, Klopfen, Drehen oder Hämmern
  • Druck-/Krafteinwirkung beim Bedienen von Arbeitsmitteln, zum Beispiel beim Stemmen oder Drücken

Wann spricht man von einer Gefährdung?

Unser Körper ist für die zeitweilige Bewegung auch in ungünstigen bzw. extremen Positionen ausgelegt. Auch das Aufbringen von Kräften innerhalb der Möglichkeiten ist von der Natur vorgesehen. Das alleinige Vorkommen solcher Belastungsarten sagt daher nichts über die Höhe der Beanspruchung, die auch von der individuellen Leistungsfähigkeit abhängt, und über die Gefährdung für den Beschäftigten aus.

Treten diese Belastungsformen bei sich ständig wiederholenden, manuellen Tätigkeiten auf, geht man von einer wesentlich erhöhten körperlichen Belastung aus, wenn bei der Beurteilung nach der Leitmerkmalmethode „Manuelle Prozesse“ ein Punktwert des Risikobereichs 3 erreicht oder überschritten wird.

Eine wesentlich erhöhte körperliche Belastung liegt außerdem vor, wenn Arbeiten mit den Händen über Schulterniveau bzw. über dem Kopf insgesamt mindestens eine Stunde pro Arbeitsschicht ausgeführt werden.

Wird die Hand regelmäßig als Werkzeug eingesetzt, entspricht das einer wiederholten Gewalteinwirkung auf die Hand.

Die wissenschaftliche Literatur beschreibt den Mittelwert der maximalen Greifkraft der rechten dominierenden Hand für den Umfassungsgriff oder den Kraftgriff bei Männern mit circa 350 bis 600 N (Newton), bei Frauen mit circa 200 bis 350 N. Der Wert der mittleren maximalen Greifkräfte für den Fingerzufassungsgriff der rechten dominierenden Hand liegt für beide Geschlechter bei 50 N. Der Kraftaufwand bei Tätigkeiten muss als Anteil an der jeweiligen Maximalkraft des arbeitenden Muskels eingeschätzt werden. Bei dieser Einschätzung spielen zusätzlich die Greifart, das Gewicht und die Beschaffenheit der Gegenstände, die Präzisionsanforderungen und die Gelenkstellungen eine Rolle. Um den Kraftaufwand zu kategorisieren, kann die Borg CR10-Skala herangezogen werden: 0 = „überhaupt nicht anstrengend“ bis 10 = „maximale Anstrengung“.

Welche Beschwerden können auftreten?

Die genannten Belastungsformen können zu Beschwerden am Muskel- und Skelettsystem, des Schultergürtels, der Arme und der Hände führen. Arbeiten über Schulter- oder Kopfniveau in relevanten Arbeitszeitanteilen können außerdem Rücken- oder Wirbelsäulenbeschwerden hervorrufen bzw. verstärken.

Sich ständig wiederholende Manipulationen mit statischen und dynamischen Anteilen mit hoher Auslenkung des Handgelenks bei gleichzeitigem hohen Kraftaufwendung belasten insbesondere den Muskel-Sehnen-Apparat und können so Erkrankungen der Sehnenscheiden, des Sehnengleitgewebes sowie der Sehnen- oder Muskelansätze auslösen.

Tätigkeiten, bei denen die Hände einen erhöhten Kraftaufwand aufbringen müssen, wie beispielsweise beim kraftvollen Zugreifen, begünstigen eine Druckschädigung des Nervs im sogenannten Karpaltunnel (Karpaltunnelsyndrom).

Stoßartige Krafteinwirkungen beim Gebrauch der Hand als Werkzeug können zu Gefäßschädigungen mit Durchblutungsstörungen im Bereich der Hand führen. Folge kann die sogenannte Weißfingerkrankheit einzelner oder mehrerer Finger sein.

Handlungsempfehlungen:

  • Stellen Sie sicher, dass die Gefährdungsbeurteilung von einer fachkundigen Person durchgeführt wird.
  • Erfassen Sie bei der Gefährdungsbeurteilung, an welchen Arbeitsplätzen Ihre Beschäftigten Tätigkeiten mit erhöhter Kraftanstrengung oder Krafteinwirkung ausführen müssen, in welchen Arbeitszeitanteilen das auftritt und ob weitere ungünstige Arbeitsbedingungen zu beachten sind.
  • Prüfen Sie, ob sich durch den Einsatz von Technologie die Arbeitsverfahren so umgestalten lassen, dass die Belastungsarten nicht oder nur begrenzt auftreten.
  • Ergreifen Sie Maßnahmen, um die Dauer und Intensität der Exposition zu begrenzen.
  • Sorgen Sie durch das Bereitstellen geeigneter Hilfsmittel dafür, dass Ihre Beschäftigten Arme und Hände nicht als Werkzeug einsetzen müssen.
  • Unterweisen Sie Ihre Beschäftigten entsprechend.
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge: Bei Tätigkeiten mit Einschätzung ab Risikobereich 3 für manuelle Arbeitsprozesse und/oder bei Arbeiten länger als einer Stunde über Schulter- bzw. Kopfniveau müssen Sie Ihren Beschäftigten eine arbeitsmedizinische Vorsorge schriftlich und persönlich anbieten.
  • Tragen Sie die Ihnen zur Verfügung gestellte Schutzausrüstung bestimmungsgemäß.
  • Handeln Sie entsprechend der Unter- und Einweisung.
  • Halten Sie die geplanten Pausen bzw. die Arbeitszeitpläne ordnungsgemäß ein.
  • Nehmen Sie die arbeitsmedizinische Vorsorge wahr.
  • Achten Sie darauf, Ihre Arme und Hände nicht als Werkzeug zu benutzen.
  • Schaffen Sie sich in Ihrer Freizeit einen Ausgleich zu Ihrer Tätigkeit. Leben Sie möglichst gesund, rauchen Sie nicht und bewegen Sie sich ausreichend, um Ihren Stoffwechsel anzuregen.
09.03.2016

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