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Häufige Wiederholungen

Unter häufigen Wiederholungen, auch als repetitive manuelle Tätigkeiten bezeichnet, versteht man Arbeiten mit Händen und Armen, bei denen sich gleichförmige oder ähnliche Arbeitsabläufe ständig wiederholen. Dies beansprucht wiederholt die gleichen Muskelgruppen, ohne dass eine ausreichende Erholung und Versorgung mit Sauerstoff möglich ist. Auch Sehnen und Sehnenansätze können dabei stark beansprucht sein. Betroffen sind insbesondere die Hände und Arme sowie der Schulter- und Nackenbereich.

Wer ist betroffen?

Betroffen sind beispielsweise Beschäftigte mit Montage- und Verpackungstätigkeiten oder Tätigkeiten in der Textil- und Nahrungsmittelindustrie. Typische Tätigkeiten sind zum Beispiel Nähen, Bohren, Schneiden, Sortieren, Schrauben und Montieren.

Wann spricht man von einer Gefährdung?

Die Höhe der körperlichen Belastung wird dadurch bestimmt, wie häufig und wie lange die Wiederholungen stattfinden. Auch mögliche Unterbrechungen oder Belastungswechsel bestimmen die Intensität der Belastung mit. Weitere wesentliche Faktoren sind beispielsweise die aufzubringenden Kräfte, die Greifbedingungen von Werkzeugen oder Materialien, die Stellung und Bewegung der Gelenke im Hand-Arm-Bereich, die Körperhaltung und mögliche zusätzliche Vibrations- oder Kälteeinwirkung.

Von einer Gefährdung spricht man, wenn die Arbeiten mindestens eine Stunde mit ständig wiederkehrenden, gleichartigen Schulter-, Arm- oder Hand-Bewegungen mit erhöhter Krafteinwirkung oder in extremen Gelenkstellungen durchgeführt werden (z. B. „Fließbandarbeit“). Um die Gefährdung genauer zu beurteilen, empfehlen die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und der Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI) die Leitmerkmalmethode „Manuelle Arbeitsprozesse“, die die erwähnten Faktoren berücksichtigt.

Repetitive manuelle Tätigkeiten sind dann Tätigkeiten mit wesentlich erhöhten körperlichen Belastungen im Sinne der AMR 13.2, wenn bei der Beurteilung mit der Leitmerkmalmethode „Manuelle Arbeitsprozesse“ ein Punktwert des Risikobereichs 3 erreicht oder überschritten wird.

Welche Beschwerden können auftreten?

Häufige Wiederholungen können Muskeln, Sehnen, Sehnenansätze, Nerven und Blutgefäße überlasten. Dies äußert sich als Schmerzen oder schmerzhafte Bewegungsstörungen in den Unterarmen, im Schulter-Arm-Bereich und im Bereich der oberen Wirbelsäule. Beispiele für Erkrankungen sind das Karpaltunnelsyndrom und Sehnenscheidenentzündungen. Darüber hinaus können häufige Wiederholungen dazu führen, dass Arthrosen im Bereich der Finger-, Hand- und Ellbogengelenke entstehen oder bereits bestehende Beschwerden verstärkt werden.
Wird die Tätigkeit im Sitzen ausgeführt, sind zusätzlich Muskelermüdung und schmerzhafte Muskelverspannungen im Rücken, in Schulter oder Armen möglich.
Der Bewegungsmangel bei sitzender Tätigkeit erschwert den Rücktransport des Bluts aus den Beinen und führt zu einer Schwellung der Beine. Auf Dauer können sich Gefäßschäden entwickeln. Die Unterforderung des Herz-Kreislauf-Systems senkt die körperliche Fitness.

Handlungsempfehlungen:

  • Stellen Sie sicher, dass die Gefährdungsbeurteilung von einer fachkundigen Person durchgeführt wird.
  • Erfassen Sie bei der Gefährdungsbeurteilung die Frequenz und Dauer der Belastung sowie die aufzubringenden Kräfte, Greifbedingungen von Werkzeugen oder Materialien, Stellung und Bewegung der Gelenke und die Körperhaltung. Nutzen Sie für die Gefährdungsbeurteilung die Leitmerkmalmethode „Manuelle Arbeitsprozesse“.
  • Gestalten Sie Arbeitsplätze und Tätigkeiten so, dass häufige Wiederholungen möglichst vermieden werden.
  • Planen Sie einen regelmäßigen Wechsel der Tätigkeiten ein, um einseitige Belastungen zu vermeiden.
  • Binden Sie bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes und der Tätigkeit Ihre Sicherheitsfachkraft und Ihre/Ihren Betriebsärztin/Betriebsarzt ein.
  • Verwenden Sie ergonomisch gestaltete und für die Arbeitsaufgabe geeignete Werkzeuge.
  • Sorgen Sie für ausreichende Beleuchtung.
  • Passen Sie die aufzuwendenden Kräfte an die Dauer, Häufigkeit und erforderliche Geschicklichkeit an.
  • Halten Sie bei Arbeiten mit hoher Geschicklichkeit, schneller Bewegungsfolge oder langer Dauer die aufzuwendenden Kräfte niedrig.
  • Verwenden Sie Abstützungen, um unnötige Haltearbeit zu vermeiden.
  • Unterweisen Sie Ihre Beschäftigten regelmäßig, wie sie die Tätigkeit ohne Gefährdung ausüben können.
  • Ermöglichen Sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Tätigkeiten mit häufigen Wiederholungen ausüben müssen, ausreichende Pausen., an Sitz- oder Steharbeitsplätzen auch Bewegungspausen.
  • Gehen Sie als Führungskraft mit gutem Beispiel voran!
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge: Liegt eine wesentlich erhöhte Gefährdung vor, müssen Sie Ihren Beschäftigten die arbeitsmedizinische Vorsorge schriftlich und persönlich anbieten. Eine wesentlich erhöhte Gefährdung liegt vor, wenn die Leitmerkmethode „Manuelle Arbeitsprozesse“ den Risikobereich 3 oder 4.
  • Vermeiden Sie möglichst einseitige Bewegungen und Körperhaltungen über längere Zeiträume.
  • Nutzen Sie die vorhandenen Präventionsangebote Ihres Betriebs.
  • Handeln Sie so, wie Sie es in den Unterweisungen und Einweisungen gelernt haben.
  • Halten Sie die Pausen ein.
  • Nehmen Sie die arbeitsmedizinische Vorsorge wahr.
  • Versuchen Sie, die Tätigkeiten abwechslungsreich zu gestalten.
  • Trainieren Sie Ihre Rumpf- und Armmuskulatur und nutzen Sie Ausgleichsgymnastik.
28.04.2016

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