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GDA - Arbeitsprogramm MSE

Zwangshaltung erzwungene Rumpfbeuge

Von einer Zwangshaltung am Arbeitsplatz spricht man immer dann, wenn die Tätigkeit, das Arbeitsmittel oder der Arbeitsplatz den Beschäftigten dazu zwingen, über einen längeren Zeitraum eine Körperhaltung einzunehmen, die nur wenig Bewegungsspielraum zulässt. Die Zwangshaltungen mit erzwungener Rumpfbeuge ebenso wie lang andauerndes Rumpfdrehen weichen von der Ruheposition im aufrechten Stehen oder Sitzen deutlich ab.

Wer ist betroffen?

Die erzwungene Rumpfbeuge tritt bei Arbeiten in Arbeitsräumen oder an Arbeitsorten mit einer geringen Raumhöhe auf, wie z. B. in Kraftwerksanlagen, Rohrleitungen und Behältern. Außerdem wird diese Körperhaltung bei Tätigkeiten auf Fußbodenniveau wie z. B. beim Spargelstechen und Erdbeerenpflücken eingenommen oder von Maurern und Eisenflechtern.

Wann spricht man von einer Gefährdung?

Die Höhe der körperlichen Belastung ist abhängig von Ausmaß und Dauer der erzwungenen Rumpfbeuge sowie von möglichen Unterbrechungen oder Belastungswechseln.

Eine Gefährdung liegt vor, wenn Tätigkeiten mit vorgeneigtem Oberkörper (Rumpfvorbeuge) insgesamt mindestens eine Stunde pro Arbeitsschicht ohne wirksame Unterbrechung oder Belastungswechsel ausgeführt werden (Arbeitsmedizinische Regel AMR 13.2).

Welche Beschwerden können auftreten?

Die erzwungene Rumpfbeuge kann zu hohen statischen Muskelbeanspruchungen mit unzureichender Sauerstoffversorgung der Muskulatur führen. Mögliche Folgen sind eine Muskelermüdung und schmerzhafte Muskelverspannungen in Rücken, Schulter, Armen oder Beinen, die die Leistungsfähigkeit einschränken. Insbesondere die Lendenwirbelsäule und die Hüftgelenke werden stark belastet. Wird diese Tätigkeit über lange Zeiträume ausgeübt, kann sie schmerzhafte funktionelle Einschränkungen, insbesondere im unteren Rückenbereich, auslösen oder verstärken. Daneben können Arbeiten in langdauernder Rumpfbeuge auch zu Herz-Kreislauf-Beschwerden führen.

Handlungsempfehlungen:

  • Stellen Sie sicher, dass die Gefährdungsbeurteilung von einer fachkundigen Person durchgeführt wird.
  • Erfassen Sie bei der Gefährdungsbeurteilung Körperhaltung und Dauer der Belastung. Außerdem sollten die Arbeitsbedingungen betrachtet werden, zum Beispiel die Möglichkeit von Pausen und Wechsel der Körperhaltung, Arbeitsmittel und Bewegungsräume.
  • Gestalten Sie Arbeitsplätze und Tätigkeiten so, dass langdauernde Tätigkeiten in Rumpfbeuge möglichst vermieden werden.
  • Prüfen Sie, ob Sie Hilfsmittel einsetzen können, die das Arbeiten in aufrechter Körperhaltung ermöglichen.
  • Planen Sie einen regelmäßigen Wechsel der Tätigkeiten und Körperhaltungen ein, um einseitige Belastungen zu vermeiden.
  • Unterweisen Sie Ihre Beschäftigten regelmäßig, wie sie Zwangshaltungen vermeiden können.
  • Ermöglichen Sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in langdauernder Rumpfbeuge arbeiten müssen, ausreichende Pausen.
  • Gehen Sie als Führungskraft mit gutem Beispiel voran!
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge: Wenn Tätigkeiten in Rumpfbeuge mindestens eine Stunde pro Arbeitsschicht ohne wirksame Unterbrechung oder Belastungswechsel ausgeführt werden, müssen Sie Ihren Beschäftigten die arbeitsmedizinische Vorsorge schriftlich und persönlich anbieten.
  • Vermeiden Sie einseitige Körperhaltungen über längere Zeiträume.
  • Nutzen Sie die vorhandenen Präventionsangebote Ihres Betriebs.
  • Handeln Sie so, wie Sie es in den Unterweisungen und Einweisungen gelernt haben.
  • Halten Sie die Pausen ein.
  • Versuchen Sie, die Tätigkeiten abwechslungsreich zu gestalten.
  • Nehmen Sie die arbeitsmedizinische Vorsorge wahr.
  • Trainieren Sie Ihre Rumpfmuskulatur und nutzen Sie Ausgleichsgymnastik.
28.04.2016

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