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Zwangshaltung Knien

Von einer Zwangshaltung am Arbeitsplatz spricht man immer dann, wenn die Tätigkeit, das Arbeitsmittel oder der Arbeitsplatz den Beschäftigten dazu zwingen, über einen längeren Zeitraum eine Körperhaltung einzunehmen, die nur wenig Bewegungsspielraum zulässt.

Das Kniegelenk mit seinen zahlreichen Bändern und der umgebenden Muskulatur ist das größte Gelenk des Körpers. Als Scharniergelenk lässt es sich beugen und strecken. Ohne Knie könnten wir nicht stehen, gehen, laufen, springen oder kriechen.

Das Kniegelenk kann eine Menge aushalten, es ist das robusteste Gelenk des Körpers und doch anfällig für Verletzungen und Verschleiß. Insbesondere Zwangshaltungen wie einseitiges oder beidseitiges Knien, das Arbeiten in der Hocke, der Fersensitz sowie das Kriechen im Vierfüßlergang belasten die Kniegelenke. Je häufiger wir knien oder in die Hocke gehen müssen, desto schneller können die Gelenke sich abnutzen.

Wer ist betroffen?

Tätigkeiten im Knien, Hocken, im Fersensitz oder im Kriechen kommen insbesondere bei folgenden Berufsgruppen und Tätigkeiten vor:

  • Fliesen-, Boden-, Teppich-, Parkett-, Estrich-, Natur- und Kunststeinlegen
  • Pflaster-, Dachdecker-, Installateur-, Maler- und Betonbauarbeiten
  • Schweißer- und Rangierarbeiten
  • Bergbau, Schiffbau und Gartenbau

Wann spricht man von einer Gefährdung?

Wenn die Arbeiten im Knien, in der Hocke oder im Kriechen insgesamt mindestens eine Stunde pro Arbeitsschicht dauern, liegt eine erhöhte körperliche Belastung vor. Diese wird noch verstärkt, wenn die Tätigkeit regelmäßig und auf Dauer ausgeführt wird und gleichzeitig Kraft aus den Kniegelenken aufgebracht werden muss.

Welche Beschwerden können auftreten?

Bei Beschäftigten, die mehr als eine Stunde täglich im Knien arbeiten, kann es nach vielen Jahren zu einer Arthrose der Kniegelenke kommen.
Muss beim Knien gleichzeitig Kraft aus den Kniegelenken aufgewendet werden, und das regelmäßig, in erheblichen Arbeitszeitanteilen und über einen längeren Zeitraum, kann das den Innenmeniskus schädigen.
Durch den Druck auf die Kniescheibe beim Knien oder Kriechen kann es auch zu Entzündungen der Schleimbeutel (Bursitis prä- oder infrapatellaris) kommen.
Auch der Peronaeus-Nerv, ein relativ oberflächlich verlaufender Nerv im Bereich des Wadenbeinkopfes, kann durch wiederholte mechanische Einwirkungen und Druck geschädigt werden. Im schlimmsten Fall treten Muskellähmungen in den Unterschenkeln oder Füßen auf, die sich in den meisten Fällen jedoch zurückbilden.

Handlungsempfehlungen:

  • Stellen Sie im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung fest, welche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Knien arbeiten, wie lange und ob weitere ungünstige Arbeitsbedingungen auftreten.
  • Stellen Sie den Betroffenen Persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung wie Kniepolster, Knieschoner, Kniekissen oder Knieprotektoren.
  • Planen Sie die Arbeiten so, dass die Tätigkeiten im Knien zeitlich begrenzt sind.
  • Unterweisen Sie Ihre Beschäftigten entsprechend.
  • Bieten Sie Ihren Beschäftigten schriftlich und persönlich eine arbeitsmedizinische Vorsorge an.
  • Tragen Sie Ihre Persönliche Schutzausrüstung wie Kniepolster, Knieschoner, Kniekissen oder Knieprotektoren immer, wenn Sie im Knien arbeiten.
  • Verwenden Sie den Knieschutz auch bei einem kurzzeitigen Arbeitseinsatz.
  • Handeln Sie so, wie Sie es in den Unterweisungen und Einweisungen gelernt haben.
  • Halten Sie Pausen und Arbeitszeiten ein.
  • Nehmen Sie die arbeitsmedizinische Vorsorge wahr.
  • Achten Sie beim Knien darauf, dass kein zusätzlicher Druck auf die Kniegelenke ausgeübt wird, zum Beispiel durch auf dem Boden liegende Gegenstände.
  • Vermeiden Sie es, sich über längere Strecken im sogenannten Entengang oder Vierfüßlergang fortzubewegen.
  • Schaffen Sie sich in Ihrer Freizeit einen Ausgleich zu Ihrer Tätigkeit. Verzichten Sie möglichst auf kniebelastende Sportarten wie Fuß- oder Handball, Skilaufen, Ski-Springen oder Slalom.
  • Leben Sie gesund und optimieren Sie Ihr Gewicht. Übergewicht ist ein zusätzlicher Faktor, der das Risiko einer Arthrose deutlich erhöht.
07.10.2015

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