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GDA - Arbeitsprogramm MSE

Heben und Tragen

Beim Heben wird eine Last, etwa eine Kiste mit Wasser, durch eigene Kraft nach oben oder unten bewegt. Dagegen ist das Halten ein überwiegend statischer Vorgang, da die Last auf einer bestimmten Position verbleibt. Wird die Wasserkiste von A nach B transportiert, spricht man vom Tragen. Lasten können entweder vor oder neben dem Körper, seitlich oder auf Schultern oder Rücken getragen werden (siehe AMR 13.2).

Wer ist betroffen?

Betroffen sind beispielsweise Beschäftigte im Bau (Maurer, Zimmerer), in der Pflege, im Möbeltransport und in der Landwirtschaft.

Wann spricht man von einer Gefährdung?

Die Höhe der körperlichen Belastung wird durch folgende Faktoren bestimmt:

  • das Gewicht der Last,
  • die Ausgangshöhe beim Greifen der Last und die Endhöhe beim Absetzen bzw. die Körperhaltung beim Halten oder Tragen,
  • die horizontale Entfernung der Last vom Körperschwerpunkt,
  • die Symmetrie der Lastenverteilung am Körper,
  • die Dynamik der Bewegung,
  • die Häufigkeit des Hebens, Haltens oder Tragens pro Schicht und
  • den Trageweg beim Tragen.

Bei Lastgewichten von mehr als 40 kg für Männer und 25 kg für Frauen besteht immer eine Gefährdung. Bei niedrigeren Lastgewichten kommt es auf die Ausprägung der anderen Faktoren an und dabei insbesondere auf die Körperhaltung beim Bewegen der Last und auf den Zeitanteil einer Schicht, der für das Bewegen der Last erforderlich ist (Häufigkeit beim Heben, Dauer beim Halten und Trageweg). Deshalb wird für die Beurteilung der Gefährdung auch die Leitmerkmalmethode „Heben, Halten und Tragen“ eingesetzt, die alle diese Faktoren berücksichtigt.

Welche Beschwerden können auftreten?

Bei hoher Belastung kann das Heben und Tragen zu einer Überbeanspruchung der direkt betroffenen Muskulatur, aber auch zu Überlastungen der passiven Strukturen des Bewegungsapparates (Knochen, Gelenkknorpel und andere Gelenkstrukturen, Bandscheiben, Sehnen und Sehnenansätze, Bänder) führen. Schweres Tragen oder Heben beeinträchtigt außerdem das Herz-Kreislauf-System und die Atmung und führt zu einer allgemeinen körperlichen Ermüdung.

Auf Dauer kann das Tragen und Heben schmerzhafte funktionelle Einschränkungen des gesamten Bewegungsapparates hervorrufen. Besonders leiden die Lendenregion, der obere Rücken, die Arme und Schultern sowie die Hüft- und Kniegelenke. Bandscheibenschäden in der Lenden- und Nackenregion können unter bestimmten Voraussetzungen als Berufskrankheit anerkannt werden.

Handlungsempfehlungen:

  • Stellen Sie sicher, dass die Gefährdungsbeurteilung von einer fachkundigen Person durchgeführt wird.
  • Erfassen Sie bei der Gefährdungsbeurteilung Lastgewicht, Körperhaltung und Dauer der Belastung.
  • Außerdem sollten die Arbeitsbedingungen unter die Lupe genommen werden, zum Beispiel Beleuchtung und Bewegungsräume.
  • Nutzen Sie für die Gefährdungsbeurteilung die Leitmerkmalmethode (LMM) „Heben, Halten, Tragen“.
  • Prüfen Sie, ob Hilfsmittel zum Tragen und Heben eingesetzt werden können.
  • Stellen Sie geeignete Hilfsmittel zur Verfügung und unterweisen Sie Ihre Beschäftigten regelmäßig, wie sie die Hilfsmittel richtig anwenden.
  • Teilen Sie die Lasten in möglichst gut handhabbare Größen und Gewichte ein.
  • Sorgen Sie bei der Gestaltung der Arbeitsplätze dafür, dass die Aufnahme bzw. Ablage der Lasten in einer möglichst günstigen Position erfolgt. Empfohlen wird eine Höhe von ca. 70 bis 100 cm. Idealerweise lässt sich die Arbeitshöhe anpassen.
  • Schaffen Sie ausreichenden Bewegungsraum, damit keine Körperdrehung „unter Last“ erforderlich ist.
  • Achten Sie darauf, dass die Arbeitsplätze ausreichend beleuchtend sind. Damit können z. B. Unfälle durch Stolpern vermeiden werden.
  • Planen Sie einen regelmäßigen Wechsel der Tätigkeiten ein, um einseitige Belastungen zu vermeiden.
  • Ermöglichen Sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die viel tragen und heben müssen, ausreichende Pausen.
  • Gehen Sie als Führungskraft mit gutem Beispiel voran!
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge: Liegt eine wesentlich erhöhte Gefährdung vor, müssen Sie Ihren Beschäftigten die arbeitsmedizinische Vorsorge schriftlich und persönlich anbieten. Eine wesentlich erhöhte Gefährdung liegt vor, wenn die Leitmerkmethode den Risikobereich 3 oder 4 ergibt.
  • Nutzen Sie die vorhandenen Hilfsmittel und die Präventionsangebote Ihres Betriebs.
  • Handeln Sie so, wie Sie es in den Unterweisungen und Einweisungen gelernt haben.
  • Heben und tragen Sie mit geradem Rücken.
  • Verteilen Sie die Lasten möglichst gleichmäßig.
  • Holen Sie sich bei Bedarf Unterstützung.
  • Halten Sie die Pausen ein.
  • Nehmen Sie die arbeitsmedizinische Vorsorge wahr.
  • Versuchen Sie, die Tätigkeiten abwechslungsreich zu gestalten.
  • Trainieren Sie Ihre Rumpfmuskulatur.
07.10.2015

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