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Arbeiten mit Ausübung von Ganzkörperkräften

Von Arbeiten mit Ausübung von Ganzkörperkräften spricht man, wenn die Arbeit das Aufbringen von hohen Kräften zum Beispiel. beim Bearbeiten großer Werkstücke, bei der Maschinenbedienung, beim Positionieren von Arbeitsgegenständen oder Personen oder bei der Benutzung von Werkzeugen, Armaturen und Vorrichtungen beinhaltet. Die Krafteinleitung erfolgt überwiegend über die Hände, aber auch eine Fortleitung über Rücken, Beine und Füße ist möglich. Die erforderlichen Kräfte sind so hoch, dass diese Tätigkeit üblicherweise nicht mehr im Sitzen ausgeübt werden kann. Dabei entstehen Belastungen für den Körper, insbesondere für den Oberkörper, die Schultern, Arme und Hände.

Wer ist betroffen?

Arbeiten mit Ausübung von Ganzkörperkräften kommen insbesondere bei folgenden Tätigkeiten vor:

  • Einsatz der Hände und der Arme als Werkzeug, zum Beispiel zum Drücken, Klopfen, Drehen, Schlagen oder Hämmern
  • Druck-/Krafteinwirkung beim Bedienen von Arbeitsmitteln, zum Beispiel beim Stemmen oder Drücken
  • Arbeiten mit Hebeln, Brechstangen oder Hebebäumen
  • Arbeiten mit Drucklufthämmern und Kettensägen
  • Patiententransfer

Wann spricht man von einer Gefährdung?

Unser Körper ist für die zeitweilige Bewegung auch in ungünstigen oder extremen Positionen ausgelegt. Auch das Aufbringen von Kräften innerhalb der Möglichkeiten ist von der Natur vorgesehen. Das alleinige Vorkommen solcher Belastungsarten sagt daher nichts über die Höhe der Beanspruchung, die auch von der individuellen Leistungsfähigkeit abhängt, und über die Gefährdung für den Beschäftigten aus.

Die Höhe der körperlichen Belastung wird unter anderen durch folgende Faktoren bestimmt:

  • Häufigkeit/Dauer der Kraftausübung und der Gesamttätigkeit
  • Höhe der aufzuwendenden Kräfte
  • Belastungsverteilung über die Schicht
  • Ausführungsbedingungen (wie ein unebener Boden, Nässe oder Zugluft)
  • Körperhaltung
  • Bewegungsgeschwindigkeit
  • Greifbedingungen/Kraftübertragung/Griffgestaltung
  • Art der Krafteinleitung/Kraftübertragungspunkt (z. B. Hand, Arm, Schulter)

Wird die Hand regelmäßig als Werkzeug eingesetzt, entspricht das einer wiederholten Gewalteinwirkung auf die Hand.

Deshalb wird für die Beurteilung der Gefährdung auch die Leitmerkmalmethode "Ganzkörperkräfte" eingesetzt, die alle diese Faktoren berücksichtigt.

Welche Beschwerden können auftreten?

Die genannten Belastungsformen können zu Beschwerden an Muskeln und Gelenken der oberen und unteren Extremitäten und der Wirbelsäule führen. Hohe Ausübungshäufigkeiten können auch zu einer Überlastung des Herz-Kreislaufsystems führen.

Sich ständig wiederholende Manipulationen mit statischen und dynamischen Anteilen mit hoher Auslenkung des Handgelenks bei gleichzeitigem hohen Kraftaufwendung belasten insbesondere den Muskel-Sehnen-Apparat und können so Erkrankungen der Sehnenscheiden, des Sehnengleitgewebes sowie der Sehnen- oder Muskelansätze auslösen.

Tätigkeiten, bei denen die Hände einen erhöhten Kraftaufwand aufbringen müssen, wie beispielsweise beim kraftvollen Zugreifen, begünstigen eine Druckschädigung des Nervs im sogenannten Karpaltunnel (Karpaltunnelsyndrom).

Stoßartige Krafteinwirkungen beim Gebrauch der Hand als Werkzeug können zu Gefäßschädigungen mit Durchblutungsstörungen im Bereich der Hand führen. Folge kann die sogenannte Weißfingerkrankheit einzelner oder mehrerer Finger sein.

Handlungsempfehlungen:

  • Stellen Sie sicher, dass die Gefährdungsbeurteilung von einer fachkundigen Person durchgeführt wird.
  • Erfassen Sie bei der Gefährdungsbeurteilung, an welchen Arbeitsplätzen Ihre Beschäftigten ausführen müssen, in welchen Arbeitszeitanteilen das auftritt und ob weitere ungünstige Arbeitsbedingungen zu beachten sind.
  • Prüfen Sie, ob sich durch den Einsatz von Technologie die Arbeitsverfahren so umgestalten lassen, dass die Belastungsarten nicht oder nur begrenzt auftreten.
  • Ergreifen Sie Maßnahmen, um die Dauer und Intensität der Exposition zu begrenzen.
  • Sorgen Sie durch das Bereitstellen geeigneter Hilfsmittel dafür, dass Ihre Beschäftigten Arme und Hände nicht als Werkzeug einsetzen müssen.
  • Unterweisen Sie Ihre Beschäftigten entsprechend.
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge: Ermöglichen Sie Ihren Beschäftigten arbeitsmedizinische Wunschvorsorge.
  • Benutzen Sie die Ihnen zur Verfügung gestellte bestimmungsgemn Arbeitsmittel und Werkzeuge bestimmungsgemäß.
  • Handeln Sie entsprechend der Unter- und Einweisung.
  • Halten Sie die geplanten Pausen bzw. die Arbeitszeitpläne ordnungsgemäß ein.
  • Nehmen Sie die arbeitsmedizinische Vorsorge wahr.
  • Achten Sie darauf, Ihre Arme und Hände nicht als Werkzeug zu benutzen.
  • Schaffen Sie sich in Ihrer Freizeit einen Ausgleich zu Ihrer Tätigkeit. Leben Sie möglichst gesund, rauchen Sie nicht und bewegen Sie sich ausreichend, um Ihren Stoffwechsel anzuregen.
15.05.2020

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