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"Ergonomisches Arbeiten ist bei uns mittlerweile ein Selbstläufer"

Geschäftsführer Jens Geigenmüller über die Erfolge eines Projektes

2008 gab der Umbau des alten Stadtschlosses zur Seniorenwohnanlage den Anstoß für ein Modellprojekt zu zukunftsweisenden und ressourcenorientierten Ausstattungs- und Pflegekonzepten. Als künftige Betreiberin war die Senioren- und Seniorenpflegeheim gGmbh Zwickau (SSH) daran ebenso beteiligt, wie Vertreter und Vertreterinnen aus Politik und Wissenschaft, Krankenkassen sowie Beratungs- und Hilfsmittelanbieter.

Das Modellprojekt setzte auch in den anderen acht Einrichtungen der SHH einiges in Gang. Die SSH startete ein Projekt mit dem Hilfsmittelanbieter ArjoHuntleigh GmbH, das darauf abzielte, krankheitsbedingte Ausfälle und Kosten zu reduzieren, die Nutzung der zur Verfügung stehenden Hilfsmittel und die Zufriedenheit der Beschäftigten zu steigern und die Pflege der Bewohnerinnen und Bewohner würdevoller zu gestalten. Erarbeitet wurden Vorschläge und Prozesse, die die Lebensqualität der Pflegebedürftigen und die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte verbesserten. Investiert wurde in einen optimalen Hilfsmittelmix und die Weiterbildung eigener Fachkräfte zu internen Ergonomieberaterinnen und -beratern.

Optimaler Hilfsmittelmix und interne Ergonomieberatung im Senioren- und Seniorenpflegeheim gGmbH Zwickau (SSH)

Eckdaten:

  • Einrichtung der Pflege, Alten- und Behindertenhilfe mit 5 Pflegeheimen, 3 Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderungen, 1 Pflegeleitzentrum für Menschen im Wachkoma
  • Das gesamte Spektrum an Gesundheits- und Pflegeleistungen in stationären, teilstationären und betreuten Pflege- und Wohneinrichtungen für Seniorinnen und Senioren, Pflegebedürftige, Wach-Koma-Patientinnen und Patienten sowie Menschen mit Behinderungen
  • Anzahl der Bewohnerinnen und Bewohner: 700
  • Anzahl der Beschäftigten in Voll- und Teilzeit: rund 400
  • Gegründet 1993
  • Sitz: Zwickau/Sachsen
  • www.ssh-zwickau.de
  • Ansprechpersonen: Jens Geigenmüller, Geschäftsführer, E-Mail: info@ssh-zwickau.de
  • Was wurde bewegt? Durch die Optimierung des Hilfsmittelbestands und Wissensvermittlung zum ergonomischen Arbeiten werden Hilfsmittel für Transfers und pflegeunterstützende Hand-lungen verstärkt genutzt und krankheitsbedingte Ausfälle der Pflegekräfte gingen zurück.

Wie bekomme ich alle mit ins Boot?

Die Unternehmensleitung ist fest entschlossen

Die Unternehmensleitung unterstützte das Projekt von Anfang an – finanziell wie personell. Denn die formulierten Projektziele sind ihr wichtig. Geschäftsführer Jens Geigenmüller: "Seit zehn Jahren stellen wir die notwendigen Gelder bereit. Der Investitionsbedarf war zu Beginn hoch und konnte über die Jahre reduziert werden."

Die Beschäftigten werden beteiligt

Die Einführung des neuen Programms wurde 2008 breit kommuniziert und in den Teambesprechungen regelmäßig thematisiert. Eine der Aufgaben der internen Ergonomieberaterinnen und -berater ist es, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schulen und allgemein Kollegen und Kolleginnen im Arbeitsalltag zum ergonomischen Arbeiten zu motivieren. Zwei Mal im Jahr veranstalten sie mehrstündige Workshops für alle Kolleginnen und Kollegen, in denen neue Techniken und Hilfsmittel vorgestellt oder aktuelle Herausforderungen thematisiert werden.

Die Fachleute für Sicherheit und Gesundheit im Betrieb sind eingebunden

Die Fachkraft für Arbeitssicherheit war von Anfang an eingebunden, der Arbeitsschutzausschuss wurde regelmäßig über den Fortgang, Herausforderungen und Erfolge des Projektes unterrichtet.

Externe Fachleute begleiten das Projekt seit zehn Jahren

Das Projekt wurde gemeinsam mit dem Beratungsservice der ArjoHuntleigh GmbH initiiert. Durch jährliche Audits, die der Hilfsmittelhersteller und der Projektleiter Thomas Klim gemeinsam durchführen, werden Empfehlungen abgeleitet, deren Umsetzbarkeit von Geschäftsführung und Hausleitungen bewertet werden.

Wie schaffe ich die notwendigen Voraussetzungen?

Bereitstellung finanzieller und personeller Ressourcen

Insgesamt 27 Fachkräfte wurden in der SSH ausgebildet – unter ihnen Pflegekräfte, aber auch Wohnbereichs- und Pflegedienstleitungen. Die Weiterbildung zum Ergonomieberater oder zur Ergonomieberaterin umfasst 24 Werktage über zwei Jahre. Danach sind vier Stunden monatlich für diese Aufgabe vorgesehen. Zu den Aufgaben zählt es, die Ressourcen der Bewohnerinnen und Bewohner einzuschätzen und den Hilfsmitteleinsatz darauf auszurichten. Die Auswahl der Hilfsmittel richtete sich nach den Fähigkeiten der Bewohnerinnen und Bewohner, die auf einer Skala von A (selbstständig) bis E (immobil) eingestuft werden.

Investition in passenden Hilfsmittelmix

In allen Häusern der SSH wurde der Hilfsmittelbestand analysiert und Empfehlungen für einen optimalen Hilfsmittelmix erarbeitet. Die Grundausstattung aller acht Einrichtungen wurde im Rahmen des Projekts zusammengestellt, seither sind für Anpassungen die Ergonomieberaterinnen und -berater der jeweiligen Einrichtung zuständig.

Wie ermutige ich andere zu Veränderungen?

Kümmerer mit dem passenden fachlichen Hintergrund

Thomas Klim absolvierte als eine der ersten Fachkräfte die Weiterbildung zum Ergonomieberater und übernahm 2012 die Projektleitung. Er ist der Kümmerer, der mit seinem beruflichen Hintergrund als Pflegefachkraft über das notwendige Fach- und Erfahrungswissen sowie die notwendige Akzeptanz im Unternehmen verfügt. Als Projektleiter kann er bei Bedarf bis zu 15 Prozent seiner Arbeitszeit für das Projekt einsetzen.

Mit Erfolgen überzeugen

Geschäftsführer Jens Geigenmüller: "Natürlich waren zu Beginn nicht alle Beschäftigten begeistert: manche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fühlten sich durch die Veränderungen bedroht, andere hingegen nahmen gleich eine Führungsrolle ein. Überzeugt haben am Ende die Erfolge: der geringere Krankenstand, die Zufriedenheit der Bewohnerinnen und Bewohner, die weniger Kräfte zerrende Arbeit." Eine Befragung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Jahr 2017 ergab, dass nur noch zehn Prozent der Beschäftigten an Beschwerden im Rücken-, Muskel- und Skelettbereich leiden.

Wie schaffe ich ein gesundheitsförderliches Unternehmensklima?

Ergonomisches Arbeiten mit passgenauen Hilfsmitteln ist kontinuierlich ein Thema

Projektleiter Thomas Klim über die Maßnahmen: "Alle Einrichtungen sind mittlerweile mit hochwertigen und passgenauen Hilfsmitteln ausgestattet, die Ergonomieberater in den Einrichtungen etabliert. Über qualitätssichernde Maßnahmen wie Audits, Fortschreibung des Hilfsmittelkatalogs oder Qualitätszirkel halten wir das Programm lebendig und entwicklungsfähig."

Auch im Wettbewerb um gutes Personal spielt die herausragende Hilfsmittelausstattung in den Häusern eine zunehmend wichtige Rolle. Geschäftsführer Jens Geigenmüller: "Bewerberinnen und Bewerber sprechen uns konkret auf die Ausstattung in unseren Häusern an. Das Projekt ist für uns in dem immer härter umkämpften Personalmarkt zu einem klaren Wettbewerbsvorteil geworden."

Was kennzeichnet nachhaltige Maßnahmen?

Einbindung in ein Gesamtkonzept

Die SSH hat mit dem Projekt ein System aufgebaut und im Qualitätsmanagement verankert, das kontinuierlich ergonomisches Arbeiten unter Einsatz passgenauer Hilfsmitteln fördert. Alle Prozesse und Abläufe sind im Qualitätshandbuch beschrieben. Ein Katalog aller Hilfsmittel mit Beschreibungen zum Einsatz und Gebrauch zum Nachschlagen wurde erstellt. Zwei Mal jährlich finden Qualitätszirkel für die Ergonomieberaterinnen und -berater unter Federführung von Thomas Klim statt. Ebenfalls zwei Mal jährlich werden in Workshops für alle Kolleginnen und Kollegen, neue Techniken und Hilfsmittel vorgestellt oder aktuelle Herausforderungen thematisiert.

Kombination von Verhältnis- und Verhaltensprävention

Das Projekt kombiniert systematisch die passgenaue Hilfsmittelausstattung in den Häusern mit der stetigen Weiterqualifizierung der Beschäftigten im Umgang mit den Hilfsmitteln und ergonomischen Arbeitsweisen.

20.09.2017

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